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Negative Google-Bewertung – Wie Sie sich wehren können

Wirft man einen Blick in die Bewertungen verschiedener Unternehmen, findet man häufig unter durchweg positiven Bewertungen einzelne negative Bewertungen, die zum Teil grobe Anschuldigungen, Beleidigungen oder schlichtweg falsche Erfahrungen mitteilen und dadurch das ansonsten gute Bild des Unternehmens verzerren können. Ist man nun selbst betroffen, stellt sich die Frage: Was kann man gegen negative Bewertungen bei Google tun?

Selbstverständlich müssen Sie eine negative Bewertung nicht ohne Weiteres hinnehmen. Sollte die Bewertung eine falsche Tatsachenbehauptung oder eine andere rechtsverletzende Äußerung beinhalten, wird Ihnen meist ein Unterlassungsanspruch aus § 823 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 1004 BGB analog zustehen. Wie Sie hiergegen vorgehen können, erklären wir Ihnen im folgenden Beitrag.

Was ist zu beachten?

Auf den Inhalt kommt es an – rechtswidrig, strafrechtlich relevant oder Richtlinienverstoß

Es gibt einige Umstände, die dazu führen können, dass Sie eine negative Bewertung Ihres Unternehmens bei Google entfernen lassen können. Zum einen ist die Frage nach der Verletzung Ihrer Rechte durch die Bewertung von Bedeutung, zum anderen kann sich eine Unterlassungsaufforderung (gegenüber Google) auch auf einen Verstoß gegen die Bewertungsrichtlinien von Google stützen, auch wenn keine Rechtsverletzung im Sinne des § 823 BGB vorliegt.

Der Unterlassungsanspruch nach § 823 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 1004 BGB analog stützt sich auf eine Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts aus Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG bzw. des Unternehmenspersönlichkeitsrechts aus Art. 2 Abs. 1 GG. Eine solche Rechtsverletzung wird in vielen Fällen durch die Äußerung unwahrer Tatsachen in der Bewertung begründet. Die für einen Unterlassungsanspruch erforderliche Wiederholungsgefahr lässt sich bereits mit der Erstbegehung durch den Bewertenden und dessen rechtswidrigen Bewertung begründen. Dies stellt den häufigsten Fall von rechtswidrigen negativen Bewertungen dar.

In manchen Fällen kann eine Bewertung auch strafrechtlich relevant sein. So kann sie zum Beispiel eine üble Nachrede gemäß § 186 StGB beinhalten. In diesen Fällen steht Ihnen ebenfalls ein Unterlassungsanspruch zu.

Die Bewertung muss jedoch nicht notwendigerweise rechtswidrig sein, um eine Löschung zu erreichen. Soweit ein Verstoß gegen Googles Bewertungsrichtlinien vorliegt, wird Google die Bewertung aus „eigenem Antrieb heraus“ löschen, auch wenn kein Unterlassungsanspruch gegen den Bewertenden besteht. Gegen die Richtlinien verstoßen unter anderem Bewertungen, die nicht von einem echten Kunden verfasst wurden, berufliche Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmen beinhalten oder solche, die persönliche Daten der Unternehmensleitung oder der Angestellten beinhalten. Ein Blick in die Richtlinien lohnt sich, wenn Sie eine negative Bewertung entfernen lassen wollen.

„Sonderfall“: 1-Sterne-Bewertungen ohne Text

Für den Fall, dass eine Negative 1-Sterne-Bewertung ohne Text bei Google veröffentlicht wird, hat das Landgericht Lübeck in seiner Entscheidung vom 13.06.2018 (Aktenzeichen 9 O 59/17) entschieden, dass Google auf Verlangen des Bewerteten grundsätzlich zur Löschung der negativen Bewertung verpflichtet ist. Entgegen der Darstellung von Google hat das Gericht entschieden, dass es sich bei einer negativen Bewertung ohne Text nicht automatisch um eine von Art. 5 GG geschützte Meinungsäußerung handelt, sondern um ein Werturteil, welches geeignet ist, das Ansehen des Bewerteten negativ zu beeinflussen. Dem Gericht zufolge überwiegt hier das Schutzinteresse des Bewerteten, sodass Google verpflichtet ist, die Bewertung zu entfernen.

Google informieren – was bringt das?

Nun da die Grundlage für die Löschaufforderung feststeht, stellt sich die Frage an, wen diese am besten zu richten ist. Obwohl meist, zumindest in Fällen der Rechtsverletzung, ein Anspruch gegenüber der bewertenden Person bestehen wird, bietet es sich an, sich mit der Aufforderung zur Löschung der betreffenden Bewertung direkt an Google zu wenden. Dies folgt zum einen daraus, dass Google, nach ständiger Rechtsprechung eine sog. Störerhaftung trifft, sobald Google über die Rechtsverletzung in Kenntnis gesetzt wird und daher nach Empfang der Aufforderung zur Löschung regelmäßig selbst ein Interesse daran haben wird, die entsprechende Bewertung schnellstmöglich zu löschen, um nicht selbst in Haftung genommen zu werden. Zum anderen ist nicht immer ersichtlich, welche Person die Bewertung abgegeben hat. Die Aufforderung zur Löschung direkt an Google zu wenden, löst auch dieses Problem. Meist führt diese Kontaktaufnahme daher zum gewünschten Ziel.

Sprechen Sie uns gerne an!

Sollten Sie Probleme mit negativen Bewertungen haben, wenden Sie sich gerne an uns. Wir sind erfahren im Umgang mit der Beseitigung von unschönen Bewertungen und Berichterstattungen, sei es bei Google, verschiedenen Plattformen oder der Presse.

Christopher Schack
Christopher Schack
Dieser Artikel wurde verfasst von Christopher Schack. Er ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für IT-Recht sowie TÜV-zertifizierter Datenschutzbeauftragter.